fehler über fehler

Als ich vor zwei Jahren angefangen habe zu meditieren, habe ich es vor allem getan, um besser in der Gesellschaft funktionieren zu können. Nicht nur um besser funktionieren zu können, sondern auch um mich besser anpassen zu können. Es hat mir zwar keine Freude gemacht, aber ich konnte mich tatsächlich besser auf die Sachen konzentrieren, die in den Augen der Gesellschaft wichtig sind. Gleichzeitig ging es mir mental aber sehr schlecht, und die ganzen psychologischen Ratgeber im Internet konnten mir auch nicht mehr weiterhelfen. Ich konnte nicht verstehen, wie es möglich ist, dass ich mich gesund ernähre, regelmäßig Sport mache, täglich meditiere, kein Social Media nutze, und mich trotzdem innerlich noch so leer und unzufrieden fühle. Ab dem Zeitpunkt ist mir klar geworden, dass mir weder ein Buch noch ein einzelner Mensch Antworten auf meine Fragen geben kann. Um meine Fragen zu beantworten, musste ich genau das machen, was mir weder in der Schule noch in der Uni beigebracht worden ist: Eigene Schritte gehen, Gefühle wahrnehmen, nach der Intuition Entscheidungen treffen, und auch bereit sein Fehler zu machen. Fehler zu machen, die in der Schule mit einem Minus bewertet worden sind. Fehler zu machen, die ich doch immer möglichst vermeiden wollte, um mit einem Plus bewertet zu werden. Fehler zu machen, damit ich anfange zu handeln, ohne dass ich alle Informationen habe. Fehler zu machen, damit ich endlich Antworten auf meine eigenen Fragen finde. Fehler zu machen, damit ich vielleicht eines Tages verstehe, warum ich eigentlich hier bin. Mit meinen vielen Sinnesfragen war ich längst bei der Überforderung angekommen. Ich habe so viel infrage gestellt, dass ich selbst gar nicht mehr wusste, woran ich überhaupt noch glauben möchte. 
Aber eins war mir klar: Ich wollte nicht einfach die ganzen gesellschaftlichen Regeln übernehmen. Ich wollte mich nicht einfach anpassen, und diesen ganzen unausgesprochenen Verhaltensregeln folgen. Ich wollte verstehen, woher diese ganzen gesellschaftlichen Regeln kommen, und vor allem, welche von Ihnen ich für mich annehmen möchte, weil ich sie sinnvoll finde. Mir war auch bewusst geworden, dass ich als Gegenpol zu unserer individualistischen westlichen Gesellschaft, auch unbedingt nochmal den Buddhismus kennenlernen wollte. Von einer Freundin wurde mir dann ein Kloster ans Herz gelegt mit den Worten: „So würde eine Gesellschaft im Idealzustand funktionieren.“
In mir hat sich eine riesengroße Begeisterung aufgetan, gleichzeitig aber auch eine gewisse Skepsis, ob es denn so etwas wie einen Idealzustand wirklich gibt. Trotzdem wollte ich definitiv diesen Ort selbst kennenlernen. Also entschloss ich mich für ein paar Tage in das Plum Village Kloster zu fahren, in dem Engagierter Buddhismus von Thich Nhat Hanh gelehrt wird. Ich bin also zu einem Wake Up Retreat für junge Menschen gereist und habe somit eine Entscheidung getroffen, die meine Sicht, mein Leben, ja wirklich alles verändert hat.

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