für alle, die im herzen barfuß sind

Und so war ich angekommen am Hauptbahnhof Berlin, und suchte meinen Weg in mein neues Zuhause.

Voller Neugierde spazierte ich also los, barfuß über gepflasterte Straßen.

Die erste Scherbe, die zweite Scherbe…

Meine Neugierde größer als der Schmerz.

Um mich meinem neuen Zuhause anzunähern, machte ich entschlossen die nächsten Schritte.

Die dritte Scherbe, die vierte Scherbe…

Langsam waren meine Füße nicht nur wund,

sondern es zog auch eine unheimliche Kälte hoch von meinen Füßen, zu meinem Herz, bis in meinem Kopf.

Irgendwann konnte ich weder die Scherben, noch die Kälte spüren.

Der Kontakt mit diesen eiskalten Steinen hatte meine Sinne eingefroren.

Mit kalten Füßen, kaltem Herzen und kaltem Kopf machte ich also die nächsten Schritte. 

Ich dachte ich müsste mich nur an die Kälte gewöhnen.

Meine Sehnsucht mein Zuhause zu finden war zu groß, um schon nach den ersten Metern aufzugeben.

Doch jeden Schritt aufs Neue, ist mein Körper mit dieser asphaltieren Straße und all diesen Scherben in Berührung getreten.

Dann fiel mir auf, dass die Berliner gar nicht barfuß liefen. 

Stets trugen Sie Schuhe.

Sie hatten sich geschützt vor diesen Scherben, vor dieser Kälte.

Sie sind nicht mehr in Kontakt getreten mit diesen asphaltieren Straßen.

Geschützt liefen sie auf diesen Scherben, auf dieser Kälte.

Einen kurzen Moment hielt ich inne:

Ich machte mit & kaufte mir Schuhe.

Ich merkte, wie ich wieder handlungsfähiger wurde.

Nun konnte ich die Scherben akzeptieren, ich musste ihnen nicht weiter Beachtung schenken, 

denn zumindest meine Haut hat sich nicht länger an Ihnen geschnitten.

Ab und zu war auch zwischen diesen kalten Straßen, ein Stück Kraut zu sehen.

Eben dieses lebendige Kraut, das trotz dieser kalten Steine, seinen Weg zur Sonne durchdrungen hatte.

Blöd nur, dass dieses Kraut der Funktionalität des Pflasters im Wege stand.

Es war also ein Unkraut, ein Stück Grün, das nicht gewollt war. 

Kraut sollte sich eben nur da Entfalten können, wo es der menschlichen Kontrolle obliegt. 

Einer dieser Entfaltungsräume sind Parkanlagen: 

In diesen naturnahen Orten kann man noch barfuß laufen.

Dort werden Scherben nämlich beachtet, um schnellstmöglich beseitigt zu werden.

Schließlich möchte man den nackten Füßen keine offenen Wunden zumuten.

In diesen naturverbundenen Orten können die Menschen wieder in Kontakt treten mit dem Boden, mit dem Gefühl.

In diesen naturnahen Parkanlagen ist die Natur nämlich so gut überwacht,

dass sich die Menschen sicher genug fühlen können, um sich verletzlich zu zeigen.

Natürlich nur so lange die Natur entsprechend gebändigt wird,

ohne Kontrolle wäre das selbstverständlich nicht mehr möglich,

denn sonst würden viel zu viele Scherben im Park rumliegen.

Sonst würden sich zu viele Menschen an Ihnen schneiden.

Sonst müssten Sich zu viele Menschen um diese Scherben sorgen, statt um ihre gepflegten Schuhe. 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert