Zurück in der WG angekommen, wusste ich, dass ich eine Entscheidung treffen muss. So wie mein Leben jetzt war, wollte ich es nicht leben. Ich habe ständig dieses Gefühl gehabt, dass das doch jetzt noch nicht alles im Leben gewesen sein kann.
In meinen Augen hatte ich genau drei Optionen zur Auswahl:
1. Das Zukunftsjahr im Ökodorf zu machen, um eine Orientierung für meine inneren Bedürfnisse und Wünsche zu bekommen, und Selbstvertrauen zu bekommen
2. Für eine dreimonatige Aufenthaltsphase zurück ins Kloster zugehen, um meine Gedanken zu verstehen, und um resilienter und fokussierter zu werden, letztlich also auch um Selbstvertrauen zu bekommen
3. Versuchen meinen eigenen Weg zu gehen, in dem ich einfach mit meiner Leidenschaft Musik und meinem Rucksack losreise, um zu gucken was kommt, und das Ziel war auch hier das gleiche, Selbstvertrauen zu bekommen in meine Intuition, und vor allem in meine eigenen Entscheidungen
Für alle drei Optionen konnte ich gute Gründe finden, aber was mir nach kurzem Nachdenken ziemlich schnell aufgefallen ist, dass es bei den ersten zwei Optionen genau einen Haken gibt: Mein Selbstvertrauen wird möglicherweise abhängig von dem Umfeld sein. Für mich war aber folgendes für meine Entwicklung entscheidend:
Ich möchte Selbstvertrauen haben, auch wenn keiner da ist, der meine Ansichten unterstützt. Ich möchte ein Selbstvertrauen in mich haben, das nicht von einer Gruppe abhängt. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass sowohl das Zukunftsjahr als auch das Kloster wieder so geschützte Rahmen sind. Letztendlich sind es eben auch wieder Strukturen, die allein durch ihr Umfeld eine Sicherheit versprechen. Und obwohl ich mich eigentlich so sehr nach tiefer Verbundenheit gesehnt habe, war mir dieser eine Entwicklungsschritt eben noch wichtiger: Ich wollte, ein unabhängiges Selbstvertrauen entwickeln, das selbst dann zu dem eigenen Weg steht, wenn die Gesellschaft mit einem bemitleidenden Blick runter gucken sollte. Aktuell glaube ich auch, dass die gesündeste Verbundenheit daraus resultiert, dass zwei Menschen auch ohne das Gegenüber genug Selbstvertrauen haben, um Entscheidungen zu treffen. Das eine Verbundenheit eben nicht aus einem, ich brauche dich, weil ich nicht ohne dich kann resultiert, sondern aus einer freien Wahl für die Person. Aus einer Wahl, die eben nur frei sein kann, wenn beide Person genug unabhängiges Selbstvertrauen entwickelt haben.
Also stand für mich fest, ich werde genau den Weg gehen, der am unbequemsten ist, gleichzeitig aber auch am meisten Wachstum ermöglicht.